Altstadtfreunde besuchen Burg Kronberg

Johann Schweikhard von Cronberg (1553 – 1626) verbindet den Kronberger Burgverein und die Aschaffenburger Altstadtfreunde. Als die Kronberger vergangenes Jahr eine Ausstellung zum 400. Todestag des Kurfürsten und Mainzer Erzbischofs vorbereiteten, informierten sie sich bei ihren Aschaffenburger Freunden über Schweikhards Wirken in unserer Stadt. Er ließ unser Wahrzeichen, Schloss Johannisburg, erbauen. Am 17. September 1626 starb er in Aschaffenburg.

Auf großformatigen Fahnen im Park der Burg informiert der Verein noch bis zum 1. November über Leben und Wirken des bekanntesten Kronbergers. Josef Forman, Vorsitzender der Aschaffenburger Altstadtfreunde, war beeindruckt von der ehrenamtlichen Arbeit seiner Kolleginnen und Kollegen. Er würdigte das von Ihnen gewählte Motto „Gottesfurcht und Hexenwahn“: „Es trifft recht genau die Ambivalenz, mit der wir auf ihn blicken, auf seine Leistungen, aber auch auf die Schrecken der Hexenverfolgungen.“

Peter Schweickard von den Altstadtfreunden, Inhaber des „Graphik Cabinets“ in der Löwenapotheke am Stiftsplatz, hatte aus seiner umfangreichen Sammlung für die Kronberger Ausstellung einen Schriftzug aus einem Autograph von Johann Schweikhard von Cronberg zur Reproduktion für einen der Texte bereitgestellt. Bei dem Rundgang auf der Burg wies er auf die Bedeutung Aschaffenburgs im 17. Jahrhundert hin, als Johann Schweikhard anläßlich der Krönung Kaiser Ferdinands II. 1619 ein großes Festmahl im neuerbauten Schloss Johannisburg hatte ausrichten lassen. Die bleierne Urne mit dem Herz des Kurfürsten, so Peter Schweickard, sei in der Jesuitenkirche beigesetzt worden, heute aber nicht mehr nachweisbar.

An markanten Stellen der Kronberger Burg angebracht, erhalten die Banner zu Johann Schweikhard eine besondere Strahlkraft. Ihre Inhalte berichten von einem Leben in einer Zeit des Umbruchs mit gewaltigen Erschütterungen wie dem Dreißigjährigen Krieg mit den Glaubenskämpfen, wissenschaftlichen Revolutionen oder der Pest. Herkunft und Aufstieg Johann Schweikhards werden geschildert ebenso wie Last der Krisen und Kälte der ‚Kleinen Eiszeit‘ mit der Suche nach Schuldigen. Ein Kapitel gilt dem Astronomen Johannes Kepler, das der Spannung zwischen Wissenschaft und Aberglauben gewidmet ist. Als strenger Staats- und Glaubensmann führte Johann Schweikhard Kirchen- und Polizeiordnungen ein, die das religiöse Leben reglementierten und Bestrafungen wie
die Hexenverfolgungen legitimierten. Er war aber auch der Kunst zugewandt, ein Freund und Förderer der Kirchenmusik. Bei der Kaiserwahl hatte er verantwortungsvolle Posten inne, und wir erfuhren viel über Ablauf und Zeremoniell der Wahl als politisches Ereignis und öffentliches Spektakel in Frankfurt. Besonders gewürdigt wird der wunderbare Hochaltar in unserer Schlosskapelle als Ausdruck von Glauben und Macht. „In diesem Ambiente“, so waren sich die Aschaffenburger einig, „wird uns das Leben um 1600 anschaulich vor Augen geführt.“

Verfasser: Wilfried Kaib

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